26.11.2008 - 12:04
Sklanskys Poker Nähkästchen – „Stud im Sahara“
David Sklansky hat in seiner 30-jährigen Pokerkarriere so einiges erlebt. Im dritten Teil unserer Serie „Sklanskys Poker Nähkästchen“ machen wir mit ihm einen Ausflug ins Sahara. Lassen wir erneut den Meister sprechen:
„In einer 15 $/30 $-Stud-Partie im Sahara saß ein älterer Herr, der gut, aber sehr, sehr tight spielte. Als ich mit einer offenen Dame und verdeckten KQ raiste, reraiste er mit einem offenen Buben. Ich wusste, dass ich in Schwierigkeiten war und callte bloß. Auf der nächsten Straße traf ich eine weitere Dame und er eine Fünf. Er callte meine Bet. Da er an dieser Stelle durchaus eventuell zwei Asse oder Könige gefoldet hätte, nahm ich an, dass er wahrscheinlich einen Drilling hielt.
Die nächste Straße änderte nichts, und meine Bet wurde gecallt. Auf der sechsten Straße traf ich einen König, der mir ein Full House verschaffte, während er einen weiteren Buben ausgeteilt bekam. Da er aus mathematischen Erwägungen eigentlich etwas anderes als einen Vierling haben musste, setzte ich. Er raiste. An dieser Stelle wollte ich folden, konnte es aber nicht. Auf dem River checkte ich, und er setzte. Jetzt zog ich einen Fold wirklich in Erwägung. Bevor ich das tat, entschied ich mich aber für einen kleinen Trick.
Ich deckte meine zwei verdeckten Karten auf. Ich tat es, weil ich immer noch von einer fünfprozentigen Wahrscheinlichkeit ausging, dass meine Hand die beste war. Das war natürlich nicht genug, um zu callen. Ich nahm aber an, dass ihn mein Full House, zusammen mit meinem Griff nach Chips, dazu veranlassen könnte, seine Karten verfrüht wegzuwerfen.
Er zuckte mit keiner Wimper. Und ich hatte beschlossen, mein Full House zu folden. Nur hatte ich mir meine Riverkarte noch nicht angesehen. Als ich es tat, sah ich eine Dame. Zuerst verspürte ich Erleichterung, dann Schreck. Mein Trick lief nicht so wie beabsichtigt. Er kostete mich etwa 90 $. Wie auch immer, ich raiste. Er reraiste! Der Rest des Tisches sah ihn an, als ob er den Verstand verloren hätte. Wieder raiste ich, und genau das tat auch er. Auf der letzten Straße verlor er etwa 250 $. Als ich die vierte Dame zeigte, sagte er: “Sehr clever, sehr clever.” Bis heute weiß ich nicht, was ihm durch den Kopf ging.“
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